Hygiene & Desinfektion

Hygiene ist ein Fachgebiet der Medizin, welches sich mit den Wechselbeziehungen zwischen dem Menschen und seiner belebten und unbelebten Umwelt befasst.

Im Vordergrund steht dabei die Untersuchung des Einflusses der Umwelt auf die Gesundheit des Menschen.
Erst mit Einführung grundlegender Hygienemaßnahmen und dem eingehenden Verständnis für Sauberkeit von Körper und Lebensraum konnten die verheerenden Seuchen, welche die menschlichen Gesellschaften immer wieder heimsuchten, eingedämmt werden.
Aber auch heute noch sind es die unterschiedlichsten Typen von Krankheitserregern wie z.B. Bakterien, Pilze, Viren, Parasiten oder Prionen, welche Mensch und Tier zu schaffen machen.
Im Vorfeld einer möglichen Infizierung durch Krankheitserreger stehen unterschiedliche Mittel und Methoden, um Lebewesen in speziellen Lebensbereichen zu schützen.

Regelmäßig durchgeführte Hygienemaßnahmen wie die Oberflächenreinigung (in Kombination mit chemischen Reinigungsprodukten) reichen in den meisten Fällen aus, um die Entstehung von Krankheiten und deren Übertragung auf andere Individuen zu vermeiden.
Oft reichen derartige Maßnahmen jedoch nicht, insbesondere dann, wenn bereits einzelne Individuen einer Gesellschaft von ansteckenden Krankheitserregern befallen wurden.

Neben einer intensiven (veterinär-) ärztlichen Behandlung muss die Flächenreinigung u.U. erweitert werden, d.h. es müssen geeignete Methoden zur Oberflächendesinfektion angewandt werden.
Krankheitserreger können neben der invasiven und direkten aerogenen Übertragung auch direkt von kontaminierten Oberflächen oder indirekt über Hände übertragen werden. Deshalb ist der Einsatz von Flächendesinfektionsmitteln mit hoher Wirksamkeit (auch gegen Viren) zur Unterbrechung einer möglichen Infektkette unentbehrlich.
Ziel der Flächendesinfektion ist die Abtötung bzw. Beseitigung von pathogenen (krankheitserzeugend) und fakultativ pathogenen Keimen, Verminderung der Gesamtzahl der Keime und Reinigung von Flächen und Gegenständen.

Bei der Anwendung von Desinfektionsmitteln bzw. -verfahren ist deren mikrobiologisches Wirkungsspektrum zu berücksichtigen.

– physikalische Desinfektionsmaßnahmen:

  • Einsatz von Hochdruckreinigern / Heissdampfgeräten
  • mechanisches Reinigen von Oberflächen

– in Kombination mit chemischen Desinfektionsmaßnahmen:

  • chemische Reinigungsmittel + nachträglicher Einsatz von Desinfektionsmitteln
  • chemische Desinfektionsreiniger (Kombiprodukte)

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Definitionen I

Desinfektion:
(Entseuchung) Vorgang, durch den viele oder alle krankheitserregenden Mikroorganismen auf unbelebter oder belebter Materie mit Ausnahme bakterieller Sporen entfernt werden, um sie in einen Zustand zu versetzen, dass von ihr keine Infektionsgefährdung mehr ausgehen kann.

Sterilisation:
im Gegensatz zur Desinfektion werden bei der Sterilisation alle Formen von Mikroorganismen abgetötet (sporenabtötende Wirkung, z.B. durch Heisswasser, ionisierende Strahlung etc.).

Entwesung:
die Entwesung mittels mechanischer bzw. chemischer Mittel ist die möglichst vollständige Vernichtung von krankheitsübertragenden Schädlingen (z.B. Schadnager: Mäuse, Ratten) und von Arthropoden (z.B. Schaben, Zecken, Mücken und Fliegen etc.), die Seuchenerreger übertragen und verbreiten können.

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Definitionen II

laufende Desinfektion:
Ziel ist die Verbreitung von Krankheitserregern im laufenden Betrieb einzuschränken als Schutzmaßnahme gegen die mögliche Ausbreitung von übertragbaren Krankheiten,

gezielte Flächendesinfektion:
Sie muss unmittelbar nach Kontamination mit infektiösem Material und Flüssigkeiten durchgeführt werden, unabhängig davon, ob eine Infektion bekannt ist oder nicht,

präventive Flächendesinfektion:
Sie ist überall dort durchzuführen, wo ständig mit einer Kontamination mit erregerhaltigem bzw. potenziell infektiösem Material zu rechnen ist.

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Definitionen III

Bakterien:
einzellige Mikroorganismen mit DNA und eigenem Stoffwechsel, ohne Zellkern (Prokaryonten), Sporen (resistente Dauerformen) können unter extremsten Bedingungen Jahrzehnte überstehen.

Pilze:
besitzen wie Pflanzen und Tiere einen echten Zellkern (Eukaryonten), Sporen können unter extremsten Bedingungen Jahrzehnte überstehen, stehen den Tieren verwandschaftlich näher.

Viren:
besitzen entweder DNA oder RNA, eine Hülle, keinen eigenen Stoffwechsel, benötigen zur eigenen Vermehrung eine Wirtszelle, Viroide bestehen aus RNA ohne Hülle.

Parasiten:
Lebewesen, die ganz oder teilweise in oder auf einem anderen Lebewesen (Wirt) leben, z.B. einzellige Protozoen, Helminthen (Würmer), Insekten, Spinnentiere u.a..

Prionen:
Eiweiße ohne DNA, extrem resistent, keine Krankheitserreger im klassischen Sinne, werden in jedem menschlichen Körper gebildet, ansteckende Prionen weisen eine veränderte Abfolge von Aminosäuren auf.

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Biozide

wichtige Biozid-Wirkstoffe / Wirkstoffgruppen:

1) oberflächenaktive Verbindungen:
anionische
Detergenzien / Seifen
kationische
quaternäre Ammoniumverbindungen (QUATS)
amphotere
amphotere Tenside (hochmolekulare Aminosäuren)
Guanidine
Chlorhexidin (Biguanidin)

2) Aldehyde:

Formaldehyd, Glutaraldehyd, Glyoxal
3) Glykole:
Triethylenglykol
4) Phenole:
Phenolderivate
5) Alkohole:
Ethanol, n-Propanol, Iso-Propanol
6) Jodophore:
Jod/Kaliumjodid, Polyvinyl-Pyrrolidon-Jod
7) Chlor / Chlorabspalter:
gasförmiges Chlor, Natriumhypochlorit, Chlorkalk
8) Sauerstoffabspalter:
Wasserstoffperoxid, Peressigsäure, Perbenzoesäure,
Kaliumpermanganat, Natriumperborat
9) Laugen:
Natriumhydroxid, Kaliumhydroxid, Calciumhydroxid
10) Säuren:
Phenylessig-, Ameisen-, Propion-, Phosphorsäure

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siehe auch:  Zur Beständigkeit von Peressigsäure und Wasserstoffperoxid

siehe auch: zur Wirksamkeit von Peressigsäure

siehe auch: zur Wirksamkeit von Peressigsäure in Alkohol

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