Auswahl von Desinfektionsmitteln

Die grundsätzliche Problematik bei der Auswahl eines geeigneten Desinfektionsmittels aus der Vielzahl der verfügbaren Produkte ist bereits dadurch gegeben, dass die Hersteller solcher Produkte ihre Vorauswahl von Biozidwirkstoffen für ihr eigenes Desinfektionsprodukt schon getroffen haben.
Der Anwender kann nur noch ein fertig formuliertes Produkt kaufen und sich möglichst an die Anwendungsvorschriften des Herstellers halten.

Dazu muss zunächst abgeklärt werden, welche möglichen (pathogenen) Erreger auf welchen Flächen auftreten können. Dann muss entschieden werden, ob das Desinfektionsmittel:

  • – bakterizid,
  • – viruzid,
  • – fungizid,
  • – sporizid

wirken muss. Die Einteilung der Desinfektionsmittel bzw. Biozide erfolgt in die Wirkungsbereiche A), B), C, und D):

  • A) zur Abtötung von vegetativen Bakterien einschließlich Mykobakterien sowie von Pilzen einschließlich Pilzsporen geeignet
  • B) zur Inaktivierung von Viren geeignet
  • C) zur Abtötung von Sporen des Erregers des Milzbrandes geeignet
  • D) zur Abtötung von Sporen der Erreger von Gasödem und Wundstarrkrampf geeignet (zur Abtötung dieser Sporen müssen spezielle Sterilisationsverfahren angewendet werden)

Die handelsüblichen Desinfektionsmittel sind sämtlich wirksam im Wirkungsbereich A), wobei hier Ausnahmen bestehen. Beispielsweise weist 75%iger Alkohol Wirkungslücken bei Pilzsporen und Sporen von Bakterien auf. Die Übergänge und Wirkungslücken sind für jedes Desinfektionsmittel im Einzelfall abzuklären. Die einzigen handelsüblichen Produkte ohne Wirkungslücke für den Wirkungsbereich A) und B) sind Natriumhypochlorit (Chlorbleiche) und Peressigsäure (PES), abhängig von der Konzentration und Einwirkungsdauer.

Der Anwender hat also dafür Sorge zu tragen, dass genau für seine Bedürfnisse das passende Produkt in angegebener Konzentration, Verweilzeit und Anwendung zum Einsatz kommt.

Darüber hinaus muss bekannt sein, in welchem pH-Bereich das geeignete Biozid hohe, bzw. niedrige oder auch keine Wirksamkeit mehr zeigt. Beispielsweise sollte in einem Schwimmbad- oder Duschbereich, der zuvor mit sauren Kalkreinigern gesäubert wurde, kein Biozid zum Einsatz kommen, welches im sauren pH-Milieu (<pH7) unwirksam ist (z.B. Chlorbleiche, quartäre Ammoniumverbindungen).
Das brauchbarste Biozid wäre hier ein Peressigsäure-Produkt. Auch wenn alkoholische Desinfektionsmittel (Gehalt >60%) im sauren Milieu wirkungsvoll sind, kann aufgrund des möglichen Verdünnungseffektes kein Alkohol-Desinfektionsmittel zum Einsatz kommen. Darüber hinaus sind solche Produkte entzündlich und explosiv, so dass hier nur kleine Flächen bis max. 2 Quadratmetern für eine Desinfektionsmaßnahme in Frage kommen.

Literatur: “Reinigung und Desinfektion in der Nutztierhaltung und Veredelungswirtschaft”, D. Strauch / R. Böhm, 2. Auflage, Enke Verlag 2002

Fazit:
der Anwender hat sich kundig zu machen, welche Hygienemaßnahmen für seinen (öffentlichen) Bereich notwendig sind und muss in Eigenverantwortung ggfs. Hygiene-, Desinfektions- und Schulungspläne erarbeiten.

Hinweis:
Reinigungs- und Hygieneprodukte für den täglichen Einsatz enthalten teilweise bereits standardmäßig geeignete Wirkstoffe, welche die Gefahr der Ausbreitung gefährlicher Erreger verringern helfen können. Für den Hausgebrauch im Haushalt reichen alkoholische Reiniger oder Peressigsäure-haltige Produkte zur hygienischen Reinigung aus, wobei Alkohol Wirkungslücken aufweist und nicht alle Erreger erfasst. Peressigsäure zeigt hingegen keine Wirkungslücken und ist wirksam gegen Keime, Pilze, Viren, Sporen. Aus diesem Grund werden bevorzugt PES-Produkte bei Ausbruch von Seuchen und Epidemien eingesetzt, insbesondere zur Dekontaminierungszwecken.

siehe auch:  Peressigsäure / Alkohol Desinfektion

siehe auch:  zur Beständigkeit von Peressigsäure und Wasserstoffperoxid

siehe auch:  zur Wirksamkeit von Peressigsäure

siehe auch:  zur Wirksamkeit von Peressigsäure in Alkohol

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