Desinfektionsmittel

Der Übergang von der hygienischen Reinigung hin zur Desinfektion und schließlich zur Sterilisation ist fließend. Definitionsgemäß sind diese Bereiche allerdings strikt zu trennen. Darüber hinaus unterscheiden sich die hierbei durchzuführenden Maßnahmen ebenfalls in wichtigen Punkten, nämlich bei chemischenphysikalischen und zeitlichen Randbedingungen.

Deshalb muss vor Beginn einer Maßnahme grundsätzlich geprüft werden, in welchem Lebensbereich welches Ziel erreicht werden soll bzw. werden muss. Denn der Begriff „Desinfektionsmittel“ wird mittlerweile aufgrund der immer neuen EU-Verordnungen (Biozidverordnung) als juristischer Begriff verstanden. Es ist heute somit nicht mehr möglich einfach ein chermisches Produkt als Desinfektionsmittel (Biozidprodukt) herzustellen und zu vertreiben, welches aufgrund seiner Inhaltsstoffe und deren Konzentration als Desinfektionsmittel geeignet erscheint. Die EU-Vorschriften verlangen vom Inverkehrbringer hier sehr kostenintensive Anmelde- und Zulassungsgebühren in Kombination mit entsprechend teuren Wirknachweisen (Gutachten), obwohl beispielsweise die Wirkung einer von hochprozentigen Alkohollösung (z.B. 70% Isopropanol) seit langem bekannt ist.

Die Folge wird eine Monopolisierung auf Desinfektionsmittel für größere Unternehmen und Konzerne sein, die diesen lukrativen Markt komplett unter sich aufteilen. Als chemische „Desinfektionsmittel“ deklarierte Produkte werden zukünftig folglich auch teurer werden müssen.

Muss es immer ein Desinfektionsmittel sein?

Unter der Vielzahl der bislang auf dem Markt erhältlichen Desinfektionsprodukte das richtige Mittel ausfindig zu machen, stellt sicherlich eine gewisse Problematik dar. Meistens muss es sich nämlich gar nicht um ein Desinfektionsmittel handeln, welches zur gründlichen und hygienischen Reinigung bzw. Behandlung von möglicherweise kontaminierten Flächen benutzt werden kann. Gerade im Haushalt reicht eine Reinigung mit einem geeigneten Reinigungsprodukt in den meisten Fällen aus, da viele Produkte, insbesondere wenn sie Alkohole enthalten, bereits die gewünschte Hygienewirkung entfalten.

Darüber hinaus existieren im Handel vielerlei Chemikalien, die als reine Wirkstoffe oder auch in Kombination mit anderen Chemikalien in Reinigungsprodukten gemischt, hervorragend zur hygienischen Umfeldreinigung eingesetzt werden können. Das betrifft allerdings nicht Hygienemaßnahmen in sicherheitsrelevanten Bereichen wie Krankenhäuser, Arztpraxen oder sonstige Patienten-pflegende Einrichtungen. Hier dürfen ausschließlich geprüfte und zugelassene Desinfektionsprodukte eingesetzt werden. Am Patienten selber angewendete Produkte dürfen dies sogar nur Desinfektionsmittel sein, die dem Arzneimittelrecht (AMG) unterliegen und unter besonders hygienischen Bedingungen (steril) hergestellt und verpackt worden sind.

Was sind Biozid-Wirkstoffe ?

Zur Konservierung werden den meisten Reinigungsprodukten bereits Mittel gegen Keim- und Pilzbefall zugesetzt. Es handelt sich hierbei um sog. Biozide. D.h., solche Produkte weisen im weitesten Sinne auch eine desinfizierende Wirkung auf, dürfen aber aufgrund der EU-Verordnung nicht als Desinfektionsmittel ausgelobt und beworben werden.

Eine geeignete Methode zur Auffindung eines passenden Produktes liegt also in der gezielten Auswahl der richtigen Wirkstoffe, welche im Produkt enthalten sein sollten. Häufig verwendete Wirkstoffe, sog. „Biozide“, sind nachfolgend aufgeführt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Auf diese Weise kann der sachkundige Anwender zur Durchführung von Hygienemaßnahmen, besonders im Haushalt, auch auf kostengünstigere Hygienereiniger zur Reinigung zurückgreifen.

Laut EU-Verordnung sind Biozid-Wirkstoffe Stoffe mit allgemeiner oder spezifischer Wirkung auf oder gegen Schadorganismen, die zur Verwendung als Wirkstoff in Biozid-Produkten (Desinfektionsmitteln) oder auch als Konservierungsstoffe in verschiedensten Produkten bestimmt sind. Die wichtigsten Wirkstoffgruppen, die im weitesten und engeren Sinne eine biozide Wirkung aufweisen, sind hier aufgeführt. Es existieren Wirkstoffe mit starker, und solche mit einer schwächeren bioziden Wirkung. Um die biozide bzw. konservierende Wirkung abschätzen zu können, kommt es zusätzlich auf die Konzentration der Wirkstoffe im Produkt an.

Wichtige Wirkstoffgruppen:

1) oberflächenaktive Verbindungen:
– anionische
Detergenzien / Seifen
– kationische
quaternäre Ammoniumverbindungen (QUATS)
– amphotere
amphotere Tenside (hochmolekulare Aminosäuren)
– Guanidine
Chlorhexidin (Biguanidin)

2) Aldehyde:

Formaldehyd, Glutaraldehyd, Glyoxal
3) Glykole:
Triethylenglykol
4) Phenole:
Phenolderivate
5) Alkohole:
Ethanol, n-Propanol, Iso-Propanol
6) Jodophore:
Jod/Kaliumjodid, Polyvinyl-Pyrrolidon-Jod
7) Chlor / Chlorabspalter:
gasförmiges Chlor, Natriumhypochlorit, Chlorkalk
8) Sauerstoffabspalter:
Wasserstoffperoxid, Peressigsäure, Perbenzoesäure, Kaliumpermanganat, Natriumperborat
9) Laugen:
Natriumhydroxid, Kaliumhydroxid, Calciumhydroxid
10) Säuren:
Phenylessig-, Ameisen-, Propion-, Phosphorsäure

Die Wirksamkeit der wichtigsten Chemikalien gegenüber Bakterien, Pilzen und Viren* ist nachstehend dargestellt:

Tabelle1Biozide1

(*n. F.v. Rheinhaben)

Die wirksamsten Chemikalien ohne Wirkungslücke sind demnach Natriumhypochlorit (Chlorbleiche) und Peressigsäure (PES). Während Lösungen auf Basis von Hypochlorit stark alkalisch sind und unangenehmen Chlorgeruch freisetzen können, sind PES-Lösungen schwach sauer und riechen unangenehm stechend nach Essig (hauptsächlich ab Konzentrationen von mehr als 0,5% PES). Es stehen allerdings mittlerweile PES-Reinigungsprodukte zur Verfügung, welche gefahrlos anzuwenden sind und keinen unangenehmen Geruch entfalten.

siehe auch:  Zur Beständigkeit von Peressigsäure und Wasserstoffperoxid

siehe auch: zur Wirksamkeit von Peressigsäure

siehe auch: zur Wirksamkeit von Peressigsäure in Alkohol

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